KEB Digital

Medienbildung stärken

22. Mai 2014
von Andrea Hoffmeier
Keine Kommentare

Herzlich willkommen!

Liebe Mitglieder und Freunde der KEB,

Katholische Erwachsenenbildung und digitale Medien – das ist ein nicht immer einfaches Verhältnis.
Während einzelne VorreiterInnen versuchen, das Feld zu erschließen und andere zu begeistern, die immer vielfältiger werdenden Möglichkeiten auch für Bildungsprozesse einzusetzen, bleibt eine Vielzahl desinteressiert und zum Teil sogar im Kulturpessimismus verhaftet. Damit kommt aber auch eine dringend notwendige wissenschaftlich durchdrungene Auseinandersetzung mit Fragen der Medienethik zu kurz. Und die Notwendigkeit einer grundlegenden Medienbildung für alle haupt-, neben- und ehrenamtlich Engagierten ist bisher gar nicht im Blick.

Oder sehen wir das zu negativ? Diskutieren Sie doch mit uns und kommentieren das nachfolgende medienstrategische Papier der KEB-Kommission Medien. In unserer Herbstsitzung werden wir den bis dahin gelaufenen Diskussionsprozess auswerten und eine Empfehlung für die KEB schreiben.

Mit herzlichen Grüßen aus Bonn

Für die Kommission Medien

Andrea Hoffmeier

22. Mai 2014
von Andreas Büsch
Keine Kommentare

Download & Diskussion

Das gesamte Thesenpapier gibt es hier als PDF zum Download.

Für eine übersichtlichere Diskussion haben wir die einzelnen Teile zur Kommentierung als einzelne Beiträge eingestellt – über die Kategorisierung lassen sich diese im Archiv und in der Kategorien-Übersicht auswählen.

22. Mai 2014
von Andreas Büsch
Keine Kommentare

Einleitung

Hinsichtlich der Auseinandersetzung mit und der didaktischen Nutzung von Medien ist die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) von einer enormen Spannbreite geprägt: von klassischen Vorträgen ohne jeglichen Medieneinsatz bis hin zu Blended-learning-Szenarien mit einer Reihe digitaler Tools sind aktuell alle Formen und Methoden vertreten.

Mit einer klaren Option für eine stärkere Berücksichtigung von (digitalen) Medien bei Inhalten und in der Didaktik der Erwachsenenbildung wollen wir die folgenden Thesen in die Diskussion einbringen.

 

22. Mai 2014
von Andreas Büsch
Keine Kommentare

1. Ankommen in der digitalen Wirklichkeit – Neue Zielgruppen der Bildungsarbeit

Die ständigen Weiterentwicklungen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechniken sind wie andere gesellschaftliche Entwicklungen eine Rahmenbedingung, der sich die KEB stellen muss. Dies gilt sowohl inhaltlich für die pädagogischen Angebote wie auch formal für Infrastruktur (technische und finanzielle Ressourcen sowie Personal).
Um bestehende Zielgruppen intensiver ansprechen und neue erschließen zu können, ist die Präsenz der KEB und die Information über Angebote in digitalen Medien unabdingbar.

Damit beteiligt sich die KEB an der Ermöglichung und Förderung von Partizipation, die durch die sozialen Medien eine neue Dynamik erfahren hat: Die Erwartungen der Menschen an eine Partizipation auf Augenhöhe, auch in kirchlichen Kontexten, steigen entsprechend an.
Die KEB löst damit die Forderung ein, „Formen von Dialog und Diskussion zu unterstützen, die die Einheit unter den Menschen stärken und wirksam die Harmonie der Menschheitsfamilie fördern können, sofern sie von Respekt, Rücksicht auf die Privatsphäre, Verantwortlichkeit und dem Bemühen um die Wahrheit geprägt sind.“ (Papst Benedikt XVI: Soziale Netzwerke: Portale der Wahrheit und des Glaubens; neue Räume der Evangelisierung. Botschaft zum Welttag der Sozialen Kommunikationsmittel 2013)

22. Mai 2014
von Andreas Büsch
1 Kommentar

2. Gesellschaftliche Problemlagen im Kontext digitaler Medien

Dabei übersieht die KEB nicht, dass es eine gesellschaftliche Spaltung gibt: In der digitalen Welt verschärft sich die Benachteiligung der eh schon Benachteiligten (finanzielle und Bildungs-Benachteiligung, mangelnde Alphabetisierung, Digital Immigrants, Offliner aufgrund von Alter, Geschlecht oder formaler Bildung). Diese Zielgruppen will die KEB mit ihren Angeboten besonders ansprechen.

Die KEB ist sich bewusst, dass es im Kontext digitaler Medien eine Reihe problematischer Entwicklungen gibt. Stichworte wie Netzneutraliät, Datenschutz / informationelle Selbstbestimmung, Urheberrecht und (präventiver) Jugendschutz kennzeichnen die aktuellen gesellschaftlichen Debatten. Diese sollen in Zukunft verstärkt Gegenstand inhaltlicher Auseinandersetzung in entsprechenden Bildungsangeboten sein.

Ein Bildungsziel ist daher auch, die Geschäftsmodelle der Anbieter und Dienstleister vor allem im Be­reich Social Media kritisch zu prüfen (kritische Dimension der Medienkompetenz). Insbesondere die prinzipielle Offenheit und Zugänglichkeit der Informationen muss als Wert an sich abgewogen werden mit dem Bedürfnis nach informationeller Selbstbestimmung.

22. Mai 2014
von Andreas Büsch
Keine Kommentare

3. Medienethik

Die KEB trifft eine Option für christliche Werte. In Bezug auf Medien bedeutet dies eine kritische Zeitzeugenschaft: „Wir verstehen Medienethik als Beobachtung von Entwicklungen und Veränderungen, die durch die Medien ausgelöst und beschleunigt werden. Nach unserem Verständnis ist es Aufgabe der Medienethik, solche Prozesse aufzuzeigen und auf mögliche Konsequenzen für den Menschen und die Gesellschaft hinzuweisen.“ (Virtualität und Inszenierung, 2011, S. 6) An diesen Diskursen beteiligt sich die KEB auf allen Ebenen und trägt sie durch entsprechende Bildungsangebote mit. Dabei verfolgt sie das Ziel, Medienentwicklungen vorurteils- und angstfrei zu beurteilen, um zu einer nutzbringende Medienrezeption und -produktion zu kommen.

22. Mai 2014
von Andreas Büsch
Keine Kommentare

4. Konsequenzen für die Bildungsarbeit

Die Initiative „Keine Bildung ohne Medien“ weist deutlich auf den Querschnittscharakter der Medienbildung hin. Kirchliche Entscheidungsträger müssen daher mehr als bisher für die Relevanz von Medienbildung sensibilisiert werden und einerseits Handlungsimpulse setzten sowie andererseits Unterstützungsstrukturen stärken, die Medienbildung in den unterschiedlichen kirchlichen Arbeitsfeldern ermöglichen.

Dazu gehört vor allem, dass Medienbildung und kommunikative Kompetenzen durchgängig in theologischen und pädagogischen Ausbildungsgängen verankert werden. Vor allem in das Berufsbild und in die Aus- und Fortbildung von Erwachsenenbildner_innen sind medienpädagogische Kenntnisse verbindlich einzubauen. Medienkompetenz muss als unverzichtbares Element der Professionalität vor allem von Hauptamtlichen in der Bildungsarbeit etabliert werden. Mit Blick auf die Qualifikationen sind entsprechende allgemein anerkannte Nachweise einzuführen.

Mit Blick auf die kirchliche Bildungsarbeit bedarf es – anstelle einer weiteren Fokussierung auf publizistische Aufgaben – einer stärkeren Verankerung der Medienbildung in der Medienarbeit kirchlicher Strukturen und Institutionen. Die vorhandenen Konzeptionen kirchlicher Medienarbeit müssen wahr und ernst genommen werden. Durch eine strukturell abgesicherte Vernetzung muss zum einen ein konzeptioneller Austausch ermöglicht werden. Zum anderen können damit, z.B. durch gemeinsame Plattformen für Bildungsangebote, entsprechende Ressourcen-Datenbanken etc., auch die Sachmittel in Kooperationen gezielter eingesetzt werden.

22. Mai 2014
von Andreas Büsch
Keine Kommentare

5. Konsequenzen für die KEB (personell, technisch, inhaltlich)

  • Die KEB nimmt Medienbildung als Querschnittsaufgabe ernst, indem sie diese in alle (Themen) Fel­der der Erwachsenenbildung einbringt.
  • Die KEB setzt sich für eine Verankerung der Medienbildung in theologischen und (sozial)pädago­gischen Ausbildungen sowie die Einführung entsprechender Qualitätsstandards und Nachweise ein.
  • Die KEB will vor allem die haupt-, neben- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der katholischen Er­wach­senenbildung hinsichtlich Medienbildung qualifizieren. Ein besonderes Element ist dabei die flächendeckende und partizipative Erstellung von Web 2.0-Guidelines, um allen Mitarbeiter_innen Sicherheit im Umgang mit dem Social Web zu vermitteln.
  • Die KEB macht Angebote, um Medienungeübte in die Lage zu versetzten, eine verantwortliche Entscheidung über die eigene Mediennutzung zu erlangen. Sie setzt sich insbesondere dafür ein, durch geeignete Medienbildungs-Maßnahmen (Bildungs-)Benachteiligte zu erreiche und zu unterstützen.
  • Die KEB zeigt mediale Kommunikationsmöglichkeiten und deren Nutzung auf und stellt eine auf christliche Werte und das christliche Menschenbild bezogene kritische Würdigung zur Verfügung.
  • Die KEB nimmt die Gesamtheit der (nicht bloß digitalen) Medien ebenso in den Blick wie die Milieus ihrer unterschiedlichen Zielgruppen: Die Rekonstruktion eines lebensweltbezogenen Medienkompetenz-Begriffs verhindert dabei einen bisweilen in medienpädagogische Schulungen anzutreffenden „Kulturpessimismus“. Vielmehr werden Medien in ihrer Vielfalt und mit ihren unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten als Unterstützer für den Bildungsprozess der jeweiligen Zielgruppe gesehen. Mit Blick auf konkrete Bildungsangebote müssen jeweils die Ziele möglicher Mediennutzung reflektiert werden: Wann kann ich welches Medium mit wem wofür einsetzen? So sind z.B. Social Media in der Erwachsenenbildung ein Werkzeug und kein Selbstzweck.
  • Die KEB tritt dafür ein, dass Medienbildung im Programmprofil kirchlicher Bildungseinrichtungen mit entsprechend qualifizierten haupt-, neben- und ehrenamtlichen Fachkräften fest verankert wird. Dies geschieht mit ansprechenden Modellprojekten, die didaktisch das gesamte Spektrum von Präsenzveranstaltungen über Blended learning bis hin zu MOOCs (Massive Open Online Courses) abdecken. Inhaltlich ist dabei die Lebensweltorientierung für die Teilnehmenden und damit eine nach in­divi­duellen Bedürfnissen rekonstruierte Medienkompetenz zielführend. Aktuell müssen damit auch Spiele (Serious Games) stärker als bisher als learning tools berücksichtig werden.
  • Zusätzlich nimmt die KEB die technische Ausstattung der Bildungseinrichtungen in den Blick, um sie den jeweils aktuellen Kommunikationsstandards anzupassen.